"My name is Sophie"

Kennst du schon Sophie? Das ist Sophie. Sie ist acht Jahre alt. Und das ist Sophies Teddy. Er ist ihr bester Freund und heißt Kuno Knopf. Sophie und ihr Teddy wollen übers Wochenende zur Oma fahren. Aber als erstes müssen sie ihren Koffer packen.
„Was soll ich denn alles mitnehmen?”, fragt Sophie. Ihr Teddy weiß immer einen Rat.
Denn Teddys wissen ganz schön viel über ganz schön viele Sachen.
Kuno Knopf fängt an aufzuzählen, was alles mit muss:
„Der rote Ball, das Malbuch, die Buntstifte, das kleine Auto, das Buch mit den Gute-Nacht-Geschichten, die Bausteine und das Kartenspiel.”
„Danke, Kuno”, sagt Sophie und packt alles schnell ein.
Sie zieht ihre Schuhe und ihre Jacke an. Dann setzt sie den Rucksack mit ihren Sachen auf, den ihr Vati für sie gepackt hat. Ihren Spielzeugkoffer nimmt sie in die eine und ihren Teddy an die andere Hand. Jetzt sind sie startklar.
„Sophie. Sophie!”, flüstert Kuno Knopf, so dass niemand anderes ihn hören kann, „Du hast doch noch deinen Schlafanzug an.”

Trotzdem ist Sophie schon groß genug, um alleine mit dem Bus zu ihrer Oma zu fahren. Ihre Mutti hat ihr schon oft den Weg gezeigt. Und Kuno Knopf hat aufgepasst, dass sie sich nicht verläuft. Dann ist es endlich soweit und sie sind bei Sophies Oma angekommen. Sophie muss sich auf die Zehenspitzen stellen, um an den Klingelknopf heran zu reichen.
„Klingedingeling“, macht die Türklingel.
„Da bist du ja, meine Kleine“, sagt die Oma, als sie die Tür öffnet, „Du kommst genau rechtzeitig zum Kuchenessen. Komm rein.”
Sophie gibt ihrer Oma ein Küsschen auf die Wange. Sophies Oma heißt Hildegard. Aber Sophie nennt sie nur Oma Hilde. Ihre Freundinnen sagen Hildi zu ihr...
„Hiiiiildi, der Kaffee wird kalt!”, rufen sie jetzt aus der Wohnstube.

In Oma Hildes Stube sitzen rund um den gedeckten Kaffeetisch alle Omas aus der Nachbarschaft. Alle sehen Sophie an und sagen Sachen wie: „Ist das wirklich die kleine Sophie?”, „Du bist aber gewachsen!”, „Hach, was für ein niedliches Kleid.” und „Das ist aber ein süßer Teddy!”
Kuno Knopf kullert mit seinen großen schwarzen Augen. Sophie sagt brav „Guten Tag“ und gibt allen die Hand. Die Omas tätscheln ihren Kopf und zupfen an ihren Sachen. Sophie hält Hilfe suchend Ausschau nach ihrer Oma. Aber Oma Hilde ist damit beschäftigt, ihren Gästen Kaffee nachzuschenken und Kuchen anzubieten.
„Kann ich dir helfen, Oma Hilde?”, fragt Sophie.
„Nein, setz dich einfach hin“, antwortet Oma Hilde und verschwindet wieder in der Küche.
Sophie isst ihren Kuchen und hört zu, was sich die Erwachsen unterhalten. Sie reden über Arztbesuche, fremde Leute und das Wetter. Erwachsenenzeug findet Sophie manchmal langweilig.
„Oma Hilde, kann ich dir was von der Schule erzählen?”, fragt Sophie.
„Jetzt nicht, Kleine. Ich muss doch den Tisch abräumen. Warum gehst du nicht ein Bisschen raus spielen? Du hast bis zum Abendbrot Zeit.”
„Das ist eine gute Idee“, flüstert Kuno Knopf.
Ihm war nämlich auch langweilig.

***

„Lass uns das Haus und den Garten erkunden gehen“, sagt Sophie zu Kuno.
Aber bis in den Garten kommen sie gar nicht erst. Als sie gerade im Treppenhaus ihre Schuhe anziehen, hören sie vom Dachboden ein seltsames Geräusch. Sophie und Kuno Knopf sehen sich fragend an.
„Hast du das auch gehört?" - Kuno nickt.
„Und weißt du, was das war?”, fragt Sophie.
„Nein, aber wir können ja nachsehen gehen“, sagt Kuno Knopf und seine Augen strahlen.
Sophie ist von der Idee nicht begeistert. Sie gruselt sich ein Bisschen. Trotzdem nickt sie zustimmend. Leise schleichen sie die Treppe hinauf, bis sie vor der Dachbodentür stehen. Kuno Knopf presst ein Ohr an die Tür und lauscht. Er kann nichts hören.
„Es ist auf einmal ganz still“, sagt er zu Sophie.
„Puuuh, dann brauchen wir ja auch nicht nachsehen”, Sophie atmet auf.
Doch Kuno Knopf lässt nicht locker.
„Du brauchst keine Angst haben”, sagt Kuno und öffnet langsam die Tür.
Er nimmt ihre Hand und sie gehen gemeinsam die letzten Stufen hoch. Vorsichtig sehen sich die beiden auf dem Dachboden um.
„Hier ist niemand“, lacht Sophie erleichtert.
Der ganze Dachboden ist mit alten Möbeln, Kisten, Fahrrädern und allem möglichen Gerümpel zugestellt. Es ist sehr dunkel. Nur durch die kleinen Dachluken kommt ein wenig Sonnenlicht herein. Überall hängen Spinnenweben. Trotzdem ist sich auch Kuno Knopf sicher.
„Nein, hier ist nichts“, sagt er.

„Sieh nur, was ich gefunden habe!”, ruft Sophie jetzt vom anderen Ende.
Sophie hat eine alte Schultafel entdeckt.
„Und Kreide gibt es auch.”
Kuno setzt sich auf einen verbeulten Pappkarton.
„Dann können wir ja Schule spielen“, schlägt er vor.
Sophie setzt eine alte Brille auf, die keine Gläser mehr hat. Sie schreibt das „ABC“ an die Tafel und sieht wie eine richtige Lehrerin aus. Dann zeigt sie mit einem Kochlöffel auf die Buchstaben und Kuno Knopf muss sie laut aufsagen.
„A, B, C, D, E, F…”, brummt Kuno Knopf.
„Rrrumps!”, kommt da auf einmal ein lauter Knall vom hinteren Teil des Dachbodens.
Kuno plumpst vor Schreck von seiner Kiste und Sophie versteckt sich ganz schnell hinter der Tafel.
Nach einer Weile flüstert sie ängstlich: „Kuno, was war denn das?”
Kuno sitzt immer noch vor der Tafel und zuckt mit seinen Plüschschultern. Ganz leise steht er auf und schleicht auf Zehenspitzen in die Richtung, aus der das Geräusch kam. Es ist wieder ganz still auf dem Dachboden. Aber Sophie traut sich noch nicht, aus ihrem Versteck heraus.
„Kuno!”, ruft sie vorsichtig.
Sie kann niemanden sehen. Aber dann hört sie Kunos Brummstimme. Er redet mit jemanden. Da wird Sophie neugierig und schleicht sich näher heran. Jetzt kann sie ihn ganz deutlich hören, aber verstehen kann sie ihn nicht. Das ist ihr unheimlich.
„Kuno!”, ruft sie jetzt ein Bisschen lauter.
Da kommt er um die Ecke getapst. Und Kuno Knopf sieht selber gar nicht ängstlich aus.

***

„Sophie, komm mit. Das musst du gesehen haben”, sagt Kuno, „Ich möchte dir jemanden vorstellen. Aber du musst mir versprechen, dass du dich nicht wieder fürchtest.”
Er lächelt. Sophie weiß nicht, wovon er redet. Jetzt ist sie noch neugieriger.
„Okay“, antwortet sie und nimmt Kunos Pfote in ihre Hand.
Zwischen ein paar alten Schränken und Kisten steht ein kleines hölzernes Nähkästchen. Der Deckel ist halb offen. Und aus dem Inneren kommt ein blasses grünes Leuchten.
Sophie stutzt: „Das ist ja ein echtes Gespenst!”
Es sitzt hinter einer Garnrolle und zittert.
„Nein, vor so einem kleinen Gespenst braucht man keine Angst zu haben.”, denkt sich Sophie.

„Das ist Buh!”, fängt Kuno Knopf an zu erzählen, „Er ist sehr schüchtern, weißt du?”
Sophie kniet sich hin und sagt höflich: „Guten Tag. Ich bin Sophie.”
Sie streckt dem kleinen Gespenst ihre Hand entgegen. Buh! aber sieht sie nur fragend an und sagt nichts.
„Kann er nicht sprechen?”, fragt Sophie.
„Nein, er kann dich bloß nicht verstehen“, antwortet Kuno Knopf.
„Können Gespenster denn nicht mit Menschen reden?”, fragt sich Sophie.
Jetzt muss Kuno lachen: „Quatsch, das Problem ist, er spricht nur Englisch.”

„Aber wo kommt er denn her?”, fragt Sophie dann.
„Buh! Hat mir nur erzählt, dass er bei einer Familie in London gewohnt hat. Am liebsten hat er mit dem kleinen Jungen Verstecken gespielt. Eines Tages ist der dabei in einem Karton eingeschlafen. Am nächsten Tag ist er hier wieder aufgewacht. Seitdem wohnt er in seinem Nähkästchen.”
Sophie guckt ungläubig.
„Der Arme muss aber ganz schön einsam sein, ohne seine Familie und ohne Freunde…”, überlegt Sophie laut,     „Ich frag mich, was er die ganze Zeit macht, ganz allein auf dem Dachboden?”     
Die beiden reden leise in der fremden Sprache. Sophie versteht wieder kein Wort. Dabei ist sie doch so neugierig.
„Buh! sagt, er passt auf, dass auf dem Dachboden immer alles fein unordentlich ist und überall gleichmäßig viel Staub auf den Dingen liegt“, übersetzt Kuno Knopf für Sophie.
„Warum kannst du eigentlich Englisch sprechen, Kuno?”, fragt sie jetzt.
Kuno lacht: „Denn Teddys wissen ganz schön viel über ganz schön viele Sachen. Was denkst du denn, was wir beim Weihnachtsmann in der Schule lernen?”

***

Nach einer Weile traut sich Buh! langsam aus seinem Versteckt heraus. Vorsichtig guckt er sich Sophie von allen Seiten an. Sophie bleibt ganz still stehen, um ihn nicht wieder zu erschrecken. Dann schwebt er rüber zur Tafel und sieht sich neugierig um. Er wischt ein paar Buchstaben ab: das „Ä“, das „Ö“, das „Ü“ und das „ß“.
„Was macht er denn jetzt?”, fragt Sophie.
„Wahrscheinlich will er mitspielen“, sagt Kuno Knopf, “Setz dich doch. Take a seat.”
Sophie und Buh! sitzen auf dem Karton, wo vorher Kuno saß. Eine große Kiste ist ihre Schulbank.
„Okay, dann spielen wir eben Englischunterricht“, freut sich Sophie.
„Als erstes möchte ich, dass wir uns alle vorstellen”, beginnt Kuno Knopf.
„Ich fange an: Hello, my name is Kuno Knopf. What is your name?”, fragt er.
Buh! ist als nächstes dran.
„Hello, my name is Buh! What is your name?”, sagt er.
Buh! und Kuno sehen ganz gespannt zu Sophie. Erst traut sie sich nicht richtig.
Aber dann probiert sie es doch: „HELLO, MEI NAEHM IS Sophie.”
Sie muss kichern, weil das so komisch klingt.
„Das war schon ganz gut, für den Anfang.”, lobt sie Kuno Knopf.

Mit dem Kochlöffel in der Hand stellt sich Kuno Knopf vor die Tafel. Jetzt zeigt er auf die Buchstaben, Buh! sagt sie auf Englisch und Sophie versucht sie nachzusprechen. Kuno fühlt sich wohl als Lehrbär und Buh! ist jetzt gar nicht mehr so schüchtern. Er kann ja gut Englisch. Und Sophie? Sophie gibt sich ganz große Mühe. Sie muss lachen, wenn sie einen Buchstaben nicht gleich beim ersten Mal aussprechen kann, wie zum Beispiel das „W“. Als sie beim „Z“ angekommen sind, will Sophie es gleich noch mal von vorne versuchen.

Aber bevor Sophie etwas sagen kann, hat Buh! ihren Schal stibitzt und sieht ihn sich interessiert an.
„What is that?”, fragt er sie.
Sophie zuckt mit den Schultern.
„Was heißt denn Schal auf Englisch, Herr Lehrer?”, ruft sie Kuno zu.
Aber der hat schon angefangen in einem alten Schrank nach Sachen zu suchen. Als er wieder auftaucht, sieht er wirklich lustig aus. Er hat einen großen Hut auf und einen Mantel an.
„That’s a hat”, sagt er, „and that’s a coat.”
Dann zeigt er auf den Schal: „That’s a scarf.”

„What’s that?”, fragt Sophie dann und zeigt auf eine Papiertüte, die auf dem Schrank liegt.
Kuno versucht auf den Schrank zu klettern aber Buh! ist schon oben.
„It's a picture“, sagt er und zeigt Sophie das Bild.
Es hat einen schweren Rahmen und man kann eine Landschaft sehen.
„Malen kann ich auch!”, sagt Sophie und fängt an die Tafel abzuwischen.
„Klimper, klimper“, hören sie da von unten.
„Das klingt wie Abendbrot, Sophie“, brummt Kuno Knopf.
„Ich glaube wir müssen jetzt gehen“, sagt auch Sophie.
Eigentlich würde sie gern noch länger bleiben und mit Kuno und Buh! Spielen. Aber sie will nicht, dass sich ihre Oma Sorgen macht. Buh! sieht ihnen ganz traurig hinterher als sie gehen.
„Wir kommen morgen wieder, versprochen! Und dann bring ich mein Malzeug mit”, ruft Sophie noch, bevor die Tür zugeht.
„Good night, Sophie. Good night, Kuno“, flüstert Buh!.

***

Am nächsten Tag hilft Sophie ihrer Oma beim Staubwischen. Sie spielen Karten und kochen zusammen Mittag. Kuno sitzt auf dem Sofa und sieht ihnen beim Essen zu.
„Und jetzt machen wir erst mal Mittagsschlaf“, sagt Oma Hilde.
Sie legt ihre Füße hoch und fängt leise an zu schnarchen.
„Willst du auch Mittagsschlaf machen?”, fragt Sophie ihren Teddy.
Doch Kuno ist schon vom Sofa gehopst.
„Lass uns lieber mit Buh! spielen gehen.” 
Auf Zehenspitzen schleichen sie an Oma Hilde vorbei zur Dachbodentür.

Wie versprochen hat Sophie ihr Malzeug dabei. Buh! ist ganz außer sich vor Freude. Er holt einen Stapel Papier und verteilt ihn über den ganzen Boden.
„Dann können wir wohl loslegen“, sagt Kuno Knopf.
Sie malen rote Pferde, gelbe Bäume und blaue Löwen. Doch gerade als sie eine grüne Giraffe malen, hören sie Oma Hilde von unten rufen.
„Ich glaube, Oma Hilde sucht mich!“, sagt Sophie.
„Dann sollten wir besser mal nachsehen gehen“, beschließt Kuno Knopf und rappelt sich auf.
„Sophie, wo steckst du denn nur?“, ruft Oma Hilde immer noch, „Sophie, deine Eltern sind hier!“
„Bye, Buh! See you soon!“, sagt Sophie, “bis gleich!“
Sie flitzt die Treppe runter und macht ganz vorsichtig die Dachbodentür auf, damit sie nicht so laut knarrt. Dann dreht sie sich um und winkt Buh! noch einmal schnell zu...

... und läuft direkt ihrer Oma in die Arme.
„Sophie! Wie siehst du denn aus?“, ruft Oma Hilde entsetzt, „du bist ja ganz dreckig!“
„Das ist kein Dreck“, antwortet Sophie, „That´s red and yellow and blue.”
Und dann geht alles ganz schnell. Ihre Mutti drückt Sophie und schiebt sie ins Bad zum Händewaschen. Dann kommt Papa. Er hat schon Sophies Taschen gepackt. Es ist Zeit nach Hause zu fahren.

***

Jetzt kennst du Sophie und ihren besten Freund Kuno Knopf. Sophie und ihr Teddy waren übers Wochenende bei ihrer Oma. Nun sind sie froh, wieder zu Hause zu sein. Sophies Eltern haben sie abgeholt. Und sie sind mit dem Auto nach Hause gefahren. Gemeinsam schieben Sophie und Kuno Knopf den Spielzeugkoffer ins Kinderzimmer.
„Warum ist der denn so schwer?!”, seufzt Sophie.
Ihr Teddy weiß immer einen Rat. Denn Teddys wissen ganz schön viel über ganz schön viele Sachen.
Kuno Knopf beginnt langsam die Spielsachen auszupacken: „The red ball, the coloring book, the pencils, the little car, the book with the bedtime-stories, the bricks and the card game...“
Dann stutzt er.
„Was ist denn das?”, brummt er und tut ganz erstaunt, „Ein Nähkästchen? Wem das wohl gehört?”
Sophie klopft ganz leise an. Aber da hören sie Buh! schon kichern.
„Hello, Buh! Good evening“, schmunzelt Sophie, „Wer hat dich denn eingepackt?”
„Kuunooo“, kichert Buh! immer noch.

Kuno Knopf zuckt mit den Schultern und tut so, als wüsste von nichts. Sophie räumt schnell das Spielzeug ins Regal, zieht die Schuhe und ihre Jacke aus und stopft den Rucksack in den Kleiderschrank. Buh!s Nähkästchen schiebt sie vorsichtig unter ihr Bett, weil es da schön dunkel und auch immer ein Bisschen staubig ist. Mit Kuno Knopf im Arm kuschelt sie sich in ihr Bett.
„Sophie. Sophie!”, flüstert Kuno Knopf. „Du hast doch noch deine Sachen an…”
Aber Sophie schläft schon und hört ihn nicht.
„Good night, Sophie. Sleep well!”, flüstert Buh! unter dem Bett.
Gute Nacht, Sophie. Schlaf gut. Bis morgen.

 


 

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