Der Aufbau einer Geschichte

 


Die Kurzgeschichte

Eine Geschichte zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Eine Kurzgeschichte ist eine Prosaerzählung mit maximal 20 Seiten. Um den Umfang nicht zu sprengen, wird auf komplexe Handlungen verzichtet. Die Schwierigkeit besteht darin, sich auf das Wesentliche zu beschränken. Eine Kurzgeschichte beginnt mit einem direkten Einstieg in die Handlung. Auf eine detaillierte Einführung wird verzichtet. Anschließend wird der Leser ohne Umschweife durch die Handlung geführt. Der Schluss ist überraschend oder bleibt offen.

Die wichtigsten Elemente einer Geschichte sind die Personen, der Raum und die Zeit. Sie sind ausschlaggebend für die Handlung, den Konflikt und den Spannungsaufbau. Jürgen vom Scheidt beschreibt in „Wie man Kurzgeschichten schreibt“ sechs Grundelemente einer Geschichte.

  1. Der Anfang
  2. Der Plot
  3. Die Handlung
  4. Die Personen
  5. Der Schauplatz
  6. Der Schluss

1. Der Anfang

Der Anfang ist nach dem Titel das Erste, womit der Leser konfrontiert wird. Wie bereits erwähnt, sollte der Anfang ein direkter Einstieg in die Geschichte sein. Bei kurzen Geschichten, die sich auf wenige Seiten beschränken, bleibt kein Platz für ausführliche Einleitungen oder Erklärungen. Der Anfang soll den Leser neugierig machen und zum Weiterlesen einladen.

2. Der Plot

Das wichtigste Element der Kurzgeschichte ist jedoch der Plot. Der Plot ist die Idee oder der Stoff, die im Laufe der Geschichte Spannung aufbauen. Es gibt zwei verschiedene Arten, um Spannung zu erzeugen. Die so genannte körpernahe Spannung entsteht durch Action und einen schnellen Handlungsverlauf. Die psychische Spannung wird durch Andeutungen und Vermutungen aufgebaut. Ein Wechsel zwischen langsamen und schnellen Passagen, verhindert, dass sich der Leser langweilt. Das bekannteste Stilmittel ist in diesem Zusammenhang das retardierende Moment. D.h. die Handlung verlangsamt sich so lange, bis sie in der Phase der höchsten Spannung zum Höhepunkt kommt. Eine andere Möglichkeit zur Steigerung der Spannung ist der Wechsel der Perspektive, z.B. zwischen parallelen Handlungssträngen, verschiedenen Orten, Zeiten, Personen oder Themen, (was sich für Kinderbücher nur teilweise eignet.)

3. Die Handlung

"Jede Erzählung schafft eine eigene Welt." Diese kann realistisch oder auch künstlich sein, d.h. auf wahren Tatsachen beruhen oder der Phantasie entspringen. Die Handlung wird in der Literaturtheorie durch vier Aspekte bestimmt. Zum einen können die Beziehungen - Liebe, Familie, Rivalität, Generationskonflikt etc. - zwischen den handelnden Personen unterschiedlichster Art sein. Auch der Beruf der Protagonisten ist sehr charakteristisch. Was für eine Existenz führt die Hauptperson? Wie verdient sie ihr Einkommen? Der Charakter der Personen wird durch das "Selbst" (Körper, Geist, Seele ...) beschrieben. Der Wandel oder die Entwicklung, die Protagonisten während der Geschichte durchleben bestimmt das "Trans" (Transformation und Transzendenz). Die treibende Kraft der Handlung ist der Konflikt, der sich einem dieser Aspekte zuordnen lässt. Dem Anfang der Geschichte folgt der Verlauf der Handlung (Exposition), die langsam auf den Höhepunkt zusteuert (dramatischer Knoten), bis es letztendlich zur Auflösung des Konfliktes kommt (Lysis).

4. Die Personen

Allgemein gilt, nicht nur die Handlung, sondern auch die Personen müssen sich entwickeln. Für die Beschreibung von Personen gibt es verschiedene Kriterien.

  • Ursprung (reale Figur oder Kunstfigur),
  • Merkmale,
  • Familiensituation,
  • Beruf,
  • Wohnort,
  • Eigenschaften,
  • moralische Maxime,
  • Schlüsselerlebnisse  sowie
  • Konfliktbegegnung.

Auch die Dialoge können die Personen charakterisieren. Außerdem liefert er Informationen, die die Handlung vorantreiben können und sie auflockern. Es gibt verschiedene Formen des Dialoges, beispielsweise den direkten und den inneren Dialog. Eine Spezialform ist z.B. der Briefwechsel.

5. Der Schauplatz

Der Schauplatz ist der Ort der Handlung. Besonderheiten des Schauplatzes werden so dargestellt, dass sie einen Widererkennungseffekt haben (Lokal- und Zeitkolorit). Die anschauliche Darstellung des Schauplatzes schafft  Atmosphäre. Diese kann auch durch Andeutungen und Vermutungen geschaffen werden. Eine literarische Sprache schafft eine zusätzliche Verbindung zwischen dem Leser und der Geschichte. Literarische Tiefe wird u. a. durch das Verwenden von Metaphern, d.h. verkürzten bildhaften Vergleichen, und Symbolen (Sinnbildern) erzeugt.

6. Der Schluß

Der Schluss hat, im Gegensatz zum Anfang der Geschichte, eine Abschied nehmende Funktion. Er ist besonders wichtig, da er dem Leser im Gedächtnis bleiben wird.

 


Die "Goldenen Regeln"

Fridhof Haft hat in einem Artikel in „Der Zeit“ fünf "goldene Regeln" für das Schreiben von Kurzgeschichten zusammengefasst.

Regel 1:

Vernachlässige den Titel!

Regel 2:

Der Leser muss blättern entsprechend aussagekräftig muss der Anfang sein.

Regel 3:

Enttäusche den Leser nicht.

Regel 4:

Bringe Gespräche, wie sie das Leben schreibt!

Regel 5:

Treibe die Handlung voran! Strapaziere den Zufall! Sorge für Überraschungen!

 


 

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