„Alles muss so einfach und klar sein, dass Kinder es verstehen können.
Außerdem hat es auch etwas mit Musikalität zu tun. Ich muss spüren,
dass der Text fließt, wie er soll. Ich schreibe um und ändere wieder,
streiche unnötige Wörter, damit es besser klingt. Und dann schreibe
ich so, wie ich mir das Buch wünsche, wenn ich selbst ein Kind wäre."
(Astrid Lindgren)

Schritt für Schritt zur eigenen Geschichte

1. Schritt: Die Idee

Um ein Kinderbuch zu schreiben, muss der Autor die Welt der Kinder neu erleben und zu Papier bringen. Dazu benötigt er neben einer blühenden Phantasie und einem guten Erinnerungsvermögen auch eine gute Idee.

Beispiel:

Durch die Geschichte "My name is Sophie" sollen Kinder Lust am Lernen von Fremdsprachen bekommen. Das Kinderbuch soll außerdem schon für Kleinkinder als Gute-Nacht-Geschichte geeignet sein. Aus diesem Grund muss es auf komplexe Handlungsstränge verzichten. Eine überschaubare Form erleichtert das Grundverständnis und erlaubt auch jüngeren Kindern, der Handlung folgen zu können.


2. Schritt: Die Zielgruppe

Zu Beginn ist es wichtig, sich über seine Zielgruppe im Klaren zu sein. Die potentiellen Käufer des Buches sind wahrscheinlich Familie und Bekannte des Kindes. Deshalb ist es wichtig, das Idee auch erwachsenengerecht abzustimmen. Finden Kinder "Die Geschichte vom Furz" witzig, muss das bei den Großen nicht der Fall sein.

Die andere Zielgruppe ist  die der Leser. Die Altersgruppe der Kinder ist ausschlaggebend für die Art des Kinderbuches und dessen Thematik. In den ersten Lebensjahren durchlaufen Kinder verschiedene Entwicklungsstufen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Interessen.

Beispiel:

Das Kinderbuch richtet sich an Vorschulkinder und Erstleser. Das ist das Alter, in dem es den Kindern am leichtesten fällt, Fremdsprachen zu erlernen. Die Geschichte wird demzufolge auf die Altersgruppe von 5 bis 7 Jahren zugeschnitten.


3. Schritt: Die Textlänge

Je nachdem wie alt die Leser sind, wird die Textlänge für die Geschichte festgelegt. Die Textlänge für Bilderbücher ist viel kürzer als die für Kinderromane. Es wichtig, den Umfang vor dem Schreiben zu definieren. Sonst besteht das Risiko, dass die Geschichte zu ausführlich wird. Allgemein hilft es, auf zu detaillierte Beschreibungen von Einzelheiten zu verzichten und die Geschichte kurz und knapp zu erzählen.

Beispiel:

Da die Geschichte sich an Kinder von 5 bis 7 Jahren richtet, sollte der Text einen Umfang von 10.000 Zeichen nicht überschreiten.


4. Schritt: Die Grundüberlegungen

Es bietet sich zusätzlich an, alle Grundüberlegungen für das geplante Kinderbuch in einer Tabelle zusammenzufassen, um es anschließend eindeutig einordnen zu können.

Beispiel:


5. Schritt: Die Themenauswahl

Je nachdem wie alt die Kinder sind, interessieren sie sich für verschiedene Themen aus ihrer eigenen Erfahrungswelt. Klassische Themengebiete der Kinderliteratur sind z.B.:

  • Freundschaft,
  • Schule,
  • Ängste,
  • Klubs,
  • Tiere und Hobbys.

Die Geschichte sollte nicht moralisierend oder belehrend sein, wie z.B. "Der Struwwelpeter". Kinder merken schnell, wenn sie erzogen werden sollen und verlieren schnell den Spaß an der Geschichte.

Beispiel:

Die Geschichte greift auf mehrere Themen der kindlichen Erfahrungswelt zurück: den Besuch bei der Oma, die Neugierde und den Drang etwas Verbotenes zu tun und das Finden neuer Freunde.


6. Schritt: Die Geschichte

Ein offener Anfang verhindert, dass die Kinder vorzeitig das Interesse verlieren, weil sie sich langweilen. Das persönliche Ansprechen der Leser schafft sofort eine Verbindung zwischen ihnen und der Geschichte.

Beispiel:

"Kennst du schon Sophie? Das ist Sophie. Sie ist 8 Jahre alt. [...]"

Für den Plot der Geschichte ist es wichtig, im Voraus eine Idee zu entwickeln, wie Spannung erzeugt wird. Spannung entsteht durch den Wechsel zwischen gegensätzlichen Schauplätzen. Außerdem können überraschende Elemente die Handlung vorantreiben. Die Tiefe der Geschichte entsteht durch eine gehaltvolle Handlung, welche zum Mitfühlen und Nachdenken anregt.

Beispiel:

Ein Perspektivwechsel, z.B. zwischen der Hauptperson und ihrem Teddy oder zwischen der ordentlichen Wohnung der Oma und dem dreckigen Dachboden, soll Spannung erzeugen. Als roter Faden der Geschichte dient der Spielzeugkoffer. Die Geschichte beginnt damit, dass die Protagonistin ihren Koffer packt, um zu ihrer Oma zu fahren. Ihr Teddy zählt alle Dinge auf, die sie mitnehmen muss. Die Geschichte endet, wenn sie wieder nach Hause fährt. Wieder hilft ihr Teddy beim auspacken. Diesmal werden alle Sachen in derselben Reihenfolge wie am Anfang aufgezählt, jedoch auf Englisch. Der Konflikt der Geschichte ist die Angst vor dem Fremden. Auch der Generationskonflikt und das fehlende Verständnis zwischen dem Mädchen und den Freunden der Oma werden angedeutet. Die Erwachsenen unterschätzen das Mädchen. Die Handlung entwickelt sich weiter, bis sie durch das Verhalten der Erwachsenen gelangweilt ist und spielen geht. Heimlich schleicht sie sich auf den Dachboden, der dunkel und gruselig ist (Exposition). Die Handlung erreicht ihren ersten Höhepunkt, wenn sie auf das Gespenst trifft. Die Geschichte entfaltet sich weiter, wenn sie erneut eine Gelegenheiten sucht, um auf den Dachboden zu gelangen (dramatischer Knoten). Der Konflikt löst sich letztendlich auf, wenn das Mädchen wieder zu Hause ankommt und in ihrem Koffer Buh! findet (Lysis).

Die Handlung ist das Herzstück der Geschichte. Sie basiert auf den Grundüberlegungen und der Idee. Sie achtet schafft Spannung und birgt Überraschungen. Das Thema, der Plot, die Personen und der Schauplatz bestimmen die Handlung maßgeblich.

Beispiel:

Ein kleines Mädchen fährt übers Wochenende zu ihrer Großmutter. Ihre Oma hat keine Zeit für sie, weil sie Besuch hat. Also stiehlt sich das Mädchen mit ihrem Teddy auf den Dachboden, wo sie auf ein englischsprachiges Gespenst trifft. Es erweist sich als nett und spukt nur, weil es traurig ist. Es hat keine Freunde, da es nur Englisch spricht. Aber der schlaue Teddy kann zum Glück übersetzen. Das Mädchen beginnt Englisch zu lernen. Sie und das Gespenst werden Freunde.

Im Verlauf der Handlung wird auf die verschiedene Beziehungen des Kindes eingegangen.

Beispiel:

  • Die Rolle der Familie (Sophie freut sich auf den Besuch bei ihrer Oma.)
  • Der Generationskonflikt (Die Erwachsenen unterschätzen den Nachwuchs.)
  • Die Rolle von Spielgefährten (Sophie und ihr Teddy können sich aufeinander verlassen.)
  • Die Rolle von neuen Freunden (Sophies will Buh! helfen.)

Die weiteren Handlungsbereiche Arbeit und Beruf, das Selbst und das TRANS, werden eher vernachlässigt. Die Bereiche Arbeit und Beruf sind für Kinder noch nicht relevant und für die Geschichte nicht ausschlaggebend. Das Selbst, also der Einklang von Körper, Geist und Seele, wird von Kindern noch unbewusst empfunden. Auch die Transformation und die Transzendenz sind unbewusste Prozesse.

Beispiel:

Die Berufe der Protagonisten spielen keine Rolle. Das Selbst wird in Form von Langeweile und Furcht angedeutet. Die Transformation erfolgt, wenn die Hauptfigur sich durch den Lernprozess weiterentwickelt hat und ihren ersten Erfolg durch das neue Wissen erlebt.

Die Protagonisten von Kinderbüchern sollten Kinder sein, die ein bis drei Jahre älter sind als die Leser. Um die Personen "zum Leben zu erwecken", sollten sie vorab nach verschiedenen Kriterien charakterisiert werden.

Beispiel:

Die Zielgruppe für das Kinderbuch sind Kinder im Vor- und Grundschulalter. Die Hauptfigur ist Sophie. Sie ist acht Jahre alt. Ihr treuer Freund und Ratgeber ist ihr Teddy und ihr neuer Freund das Gespenst "Buh!". Alle Eigenschaften der handelnden Personen wurden in der folgenden Tabelle festgehalten.

Auch die Namen der Hauptpersonen sind ein Teil ihrer Persönlichkeit.

Beispiel:

Der Name des kleinen Mädchens, „Sophie“ (von „Sophia“ [griech.: ‚Weisheit’] eindeutschend: Sophie, niederdt.: Kf. Fieke, russ.: Kf. Sonja), stand aufgrund seiner Bedeutung schnell fest. Ideen für den Namen des Teddys waren z.B. folgende:
  • Basti Bär (‚Verehrungswürdiger’),
  • Bruno Bär (‚Bär’),
  • Karl Knuddel (‚Mann’),
  • Kuno Knopf (‚Ratgeber’),
  • Paul Pfötchen (‚Kleiner’),
  • Teddy Ted (‚Besitzhüter’),
  • Timmi Tatze (‚Fürchtegott’).
Die Entscheidung fiel letztendlich auf „Kuno Knopf“, da die Bedeutung am besten der Rolle des Teddys entspricht. Der Name für das Gespenst „Buh!“ ist ein Phantasiename, der fremdartig klingen soll.

Der Schauplatz der Geschichte unterstreicht außerdem die innere Stimmung der handelnden Personen.

Beispiel:

Die Geschichte spielt vor allem an zwei Orten in der Wohnstube von Oma Hilde und auf dem Dachboden in Oma Hildes Haus.

Um die jungen Leser nicht zu demoralisieren, ist es wichtig, dass Kinderbücher ein „Happy End“ haben.

Beispiel:

Sophies Geschichte endet damit, dass sie und ihr Teddy nach einem aufregenden Wochenende wieder nach Hause fahren. Sophie ist stolz auf sich, weil sie etwas kann, was ihre Oma nicht kann. Sie und ihr Teddy haben einen neuen Freund. Moralische Werte, wie Familie, Freundschaft, Loyalität, Hilfsbereitschaft, Wissen und Ehrgeiz, sind feste Bestandteile der Geschichte. Tabuthemen hingegen werden nicht angesprochen. Der letzte Satz hat eine Abschied nehmende Funktion. Andererseits soll er den Leser zum erneuten Lesen einladen: „Gute Nacht, Sophie. Schlaf gut. Bis morgen.“


7. Schritt: Die Sprache

Die Geschichte sollte leicht verständlich formuliert sein. Fremdwörter, Fachbegriffe und komplizierte Schachtelsätze sind nicht geeignet. Jugendsprache und Slang sind sehr kurzlebig und können eventuell lächerlich wirken. Das Spiel mit der Sprache bietet sich jedoch an, wenn es witzig ist.

Beispiel:

"Denn Teddys wissen ganz schön viel über ganz schön viele Sachen."


8. Schritt: Die Illustrationen

Die Illustrationen sind die Ergänzung für den Text eines Kinderbuches. Sie sollten in der Geschichte nicht zu ausführlich beschrieben wirken, da das die Kinder langweilen würde. Bei der Verlagssuche ist es nicht erforderlich, Bilder mit zusenden, auch wenn es sich um ein Bilderbuch handelt. In den meisten Fällen greifen die Verlagshäuser auf ihre Hausillustratoren zurück. Schlimmstenfalls können unprofessionelle Illustrationen das Aus für das gesamte Kinderbuch bedeuten. Stattdessen kann eine Bilderliste beigelegt werden, die dem Illustrator zeigt, welche Bilder benötigt werden.

Beispiel:

 


 

Soll Timmi Marie in seine Pläne einweihen?

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